Begleitforschungsbericht zum Wellenbrecher-Projekt „Drehscheibe“ vorgelegt

› Wir stellen hier den Begleitforschungsbericht der Universität zu Köln zu unserem Rückkehrerprojekt „Drehscheibe“ vor. Bei der „Drehscheibe“ geht es um ein von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW gefördertes Projekt für Jugendliche, die nach Abschluss von stationären Maßnahmen in den nicht begleiteten Alltag entlassen werden. Anlass dazu war die Beobachtung, dass zu oft Erfolge, die sich während der Unterbringung zeigten, nicht in den Alltag außerhalb der Jugendhilfe übertragen werden können. Im Falle der Drehscheibe entwickelte Wellenbrecher ein Konzept, dass diese Problematik schon von Beginn der Unterbringung an mit in die Überlegungen einbezieht und begleitend während der stationären Hilfe umsetzt. 

Der Fokus der von der Universität zu Köln durchgeführten Begleitforschung richtete sich drei Jahre lang auf Jugendliche in erzieherischen Hilfen im Ausland, die exemplarisch für ein hochstrukturiertes und relativ isolierendes Setting stehen. Damit stellt sich die Frage, ob einige Ergebnisse auch auf andere Übergangs- oder Care Leaver-Problematiken in anderen Maßnahmeformen außerhalb der Jugendhilfe, wie etwa der Jugendpsychiatrie bzw. des Jugendstrafvollzuges übertragbar sein können.

Bei der Bewertung von Rückkehrer- und Übergangsszenarien aus Jugendhilfemaßnahmen von älteren Jugendlichen sollte ein Aspekt nicht außer Acht bleiben. Wir sollten uns deutlich machen, von welch einem hohen Anspruch an die Jugendhilfe wir ausgehen, wenn wir 18-jährige aus intensivpädagogischen Settings darauf vorbereiten wollen, ihr Leben eigenverantwortlich in den Griff zu bekommen. Kann das – außer in Einzelfällen – eigentlich funktionieren angesichts der vielen beobachtbaren Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die vollkommen damit überfordert sind, ihren Alltag adäquat zu strukturieren oder eine Ausbildungs- und Berufsperspektive für sich zu finden? Und hier sind junge Menschen aus ganz „geordneten Verhältnissen“ gemeint, die nicht mit Jugendhilfemaßnahmen in Berührung kommen. Der Ablöse- und Übergangsprozess (aus dem Elternhaus) dauert – gefühlt – heute allgemein viel länger als noch ein oder zwei Generationen früher. Viele schaffen das erst nach Mitte zwanzig.

Was bedeutet das für die Jugendhilfe? Sicher nicht, dass der Anspruch einfach heruntergeschraubt werden kann. Das wäre unverantwortlich den Betreuten und auch der Gesellschaft gegenüber. Ob gewollt oder nicht, es wird unserer Gesellschaft nichts anderes übrig bleiben, als die jungen Menschen längerfristig über die Vollendung des 18. Lebensjahres hinaus zu begleiten. Das gilt sowohl für die Jugendhilfe als auch für Familien außerhalb staatlicher Hilfen. Da reichen Verselbständigungsmaßnahmen, die in Einzelfällen gewährt werden, nicht aus. Am Ende profitieren nicht nur die jungen Menschen, sondern die Gesellschaft insgesamt.

Siehe auch den Beitrag hier.