Sozialpädagogische Lebensgemeinschaft

Zwei erfahrene Pädagoginnen, die genug hatten von der Arbeit in starren Systemen. Nach vielen Jahren in sozialen Bereichen haben beide einen Weg in die Freiheit der Selbständigkeit gesucht – und bei Wellenbrecher gefunden. Heute kümmern sie sich um zwei kleine Mädchen und arbeiten so, wie sie es für richtig halten. Auf das Konzept der pädagogischen Jugendhilfe zu Hause sind sie dabei über das Jugendamt gestoßen.

 

Erfahrungsbericht

A.: Unser Leben hat sich in letzter Zeit so ziemlich auf den Kopf gestellt. Seit April haben wir Luisa* bei uns, im Juli ist Alina* noch dazu gekommen. Ein 3-jähriges Mädchen und ein wenige Monate altes Kleinkind. Seitdem hat sich vieles geändert, und ehrlich gesagt: Es ist der absolut anstrengendste aber auch spannendste und vor allem zufriedenstellendste Beruf, den wir beide je hatten.

„Es war ein langer Prozess, bis wir genau das gefunden hatten, was wir wollten.“

A.: Ich habe ganz viele soziale Bereiche kennen gelernt und auf Deutsch gesagt einfach den Kaffee auf, auf viele Systeme. Nach Jahren in der Altenpflege habe ich noch soziale Arbeit studiert und mir sehr oft die Sinnfrage gestellt. Zuletzt war ich dann gesetzliche Betreuerin, aber das war mir einfach nicht nah genug am Menschen, viel zu viel Verwaltung.

D.: Wir haben uns damals ohnehin beide umgeschaut. Ich habe vorher in der Kinderkrippe gearbeitet und hatte, wie in dieser Gegend üblich, einen katholischen Träger als Arbeitgeber. Die kamen dann nicht damit klar, dass ich eine Frau geheiratet habe. Es fing mit Mobbing an, da hatte ich genug. Und bei neuen Trägern hatte ich auch keine Lust, diese Tatsache zu verstecken. Deshalb sind wir gemeinsam ganz viele Ideen durchgegangen, haben viel überlegt. Beim ersten Besuch im Jugendamt wurden wir dann auf die Möglichkeit der Erziehungsstelle hingewiesen. Dann sind wir auf Wellenbrecher gestoßen, und kurze Zeit später wussten wir, das ist es.

„Emotionale Nähe und schöne Momente gleichen vieles aus“

A.: Natürlich hat sich sehr viel verändert. Die Paarzeit ist weniger geworden, ins Kino gehen ist auch schwer, und nachts muss immer eine von uns aufstehen. Und im Gegensatz zu Eltern von Kleinkindern haben wir keine Glückshormone in uns. Aber es gibt so viele Momente, in denen es wirklich schön ist. Wir bewahren natürlich eine gewisse professionelle Distanz, aber da ist auch schon eine emotionale Nähe zu den Kindern entstanden. Die beiden bringen uns auch jetzt schon mal an unsere eigenen wunden Punkte, aber – ehrlich gesagt – ist das für mich das größte Geschenk: Da kann man unglaublich dran wachsen, man beschäftigt sich so sehr noch einmal mit sich selbst und nimmt eine persönliche Entwicklung. Wahnsinn. Auch die Perspektive auf die eigenen Eltern ändert sich, man lernt einfach sehr viel dazu. Außerdem geben uns die Kinder die Legitimation, selbst noch mal Kind zu sein, und uns zu ihnen in den Schlamm zu setzen – großartig.

„Bei keinem Chef der Welt wären wir so aufgehoben.“

A.: Wir sind über einen Zufall bei Wellenbrecher gelandet und wirklich sehr froh darüber. Wellenbrecher ist für uns der perfekte Partner. Ganz oben steht für uns unsere Koordinatorin, Doris, als Person – so kompetent und menschlich, immer auf Augenhöhe mit uns. Sie kümmert sich um alles, was wir brauchen, manchmal auch ohne, dass wir da was sagen müssen: Als wir Alina* gerade ein paar Wochen hatten, waren wir schon ein bisschen müde – Doris muss das irgendwie gespürt haben und hat von sich aus einmal die Woche Unterstützung geschickt, damit wir Freiräume haben. Diese persönliche Betreuung, dass wir uns so gut aufgehoben fühlen, das ist der Hauptgrund für uns, bei Wellenbrecher zu sein. Die Supervision, dass wir viel Geld bekommen, das ist alles super – aber nicht so wichtig, wie das Gefühl, das wir von der Betreuung bekommen. Wir fühlen uns einfach sicher, es gibt immer ein offenes Ohr, und man kann alles sagen – so etwas gibt es bei keinem Chef der Welt.

Bis hierhin hatten wir unglaubliches Glück.

D.: Für mich ist das ein Traumjob. Wir sind zu Hause, wir sind zu zweit, und wir können uns die Tage, Zeiten gut gemeinsam einteilen. Wir haben einfach ganz viel Freiheit. Und in Momenten, in denen man merkt, dass die Kinder eine emotionale Bindung zu einem Zuhause aufbauen, dass man da einer Seele helfen kann: Da stehen uns beiden die Tränen in den Augen.

*Zum Schutz der Privatsphäre der Kinder wurden die Namen geändert.