Kinder- und Jugendhof in Niedersachsen

6 Kinder und Jugendliche in der Familie, dazu 15 Huskies im Garten – auf dem niedersächsischen Hof ist immer viel los. Das bunte Treiben und das Zusammenleben mit den Tieren ist es, was diese Projektstelle ausmacht. 2014 hat sich die Familie dazu entschieden, 4 Geschwisterkinder aufzunehmen – der Ehemann arbeitet nun als Vollzeit-Pädagoge von zu Hause, wird dabei von seiner Frau unterstützt. Die Entscheidung für das neue Zusammenleben bereut in der Familie niemand.

 

Erfahrungsbericht

„Mit 20 Jahren hätte ich mir das niemals vorstellen können – aber das erste eigene Kind hat dann alles verändert!“

Wir sind hier so ein bisschen zu einem Kinder- und Jugendhof geworden. Und ein solcher Job, wie ich ihn jetzt mache, war jetzt schon länger mein Ziel. Ich habe viele Jahre als Ergotherapeut gearbeitet, auch oft in sozialen Einrichtungen. Aber nach der Geburt unseres ersten Kindes habe ich gemerkt, morgens weg und abends zurück ist nicht das Wahre. Ich wollte doch mehr Zeit für meine eigene Familie haben als nur den Feierabend. Deshalb ist das hier in gewisser Weise ein Traum. Ich kann mein eigenes Ding machen. Selbständig sein, das Leben so gestalten, wie ich es will, und dabei noch Menschen helfen und für die gute Sache arbeiten. Deshalb habe ich damals neben der Arbeit noch zwei Jahre lang eine pädagogische Weiterbildung gemacht. So wurde das dann möglich.

„Die Hunde sind ein Anker für die Kinder!“

Für die tägliche Arbeit haben wir noch Mitarbeiter, die uns bei der Organisation und Betreuung helfen. Ganz wichtig ist aber natürlich auch die Unterstützung meiner Frau und Familie. Über sie kommt auch die Besonderheit unseres Hofs zustande: Die vielen Huskies trainiert sie für ihr Hobby, Schlittenhunderennen. Für die Kinder ist das toll. So ist man ständig aktiv, alle haben ein gemeinsames Hobby. Die Huskies verbinden. Und auch aus pädagogischer Sicht sind die Hunde so etwas wie ein Anker für die Kinder. Jeder hat einen eigenen Bezugshund und kümmert sich um ihn. Das bringt Struktur in den Tag, und die Kinder entwickeln im täglichen Umgang mit den Hunden Gefühle und Verantwortungsbewusstsein. Sie lernen, selbständig Aufgaben zu übernehmen: Manchmal haben die Kinder Schwierigkeiten, etwas Alltägliches hinzukriegen – und bei den Hunden klappt es dann ganz ohne Probleme, da wissen sie, was sie wann und wo machen müssen.

„Was sich geändert hat? Wir brauchten ein größeres Auto und eine zweite Waschmaschine.“

Die größte Herausforderung im Alltag ist für uns die Organisation. Alles hat eine andere Dimension, ob das die Fahrten oder Termine sind oder auch nur die Menge an Essen, das gekocht werden muss. Das Leben zu acht ist einfach etwas anders. Als Gemeinschaft kommen wir aber gut klar. Wichtig ist, dass wir als Paar uns immer mal wieder Zeit für uns nehmen und uns auch mal zurückziehen – und das geht auch. Auch, wenn wir Besuch haben: Wir sitzen dann abends draußen, und, wenn die Kinder uns brauchen, wissen sie, wo wir sind.

Sorgen um ein Chaos oder Streitereien müssen wir uns da nicht machen, sondern können entspannen. Jedes der Kinder hat zwar mit der Vorgeschichte sein Päckchen – aber das äußert sich mehr darin, dass sie eine andere Betreuung im Alltag brauchen. Wir haben Glück, im Endeffekt haben wir ganz tolle Kinder. Ab und zu, gerade untereinander kommt es schon auch vor, dass mal Wörter fallen, und nicht jedes Kind versteht sich mit jedem. Aber das ist auch in anderen Familien so.

„Die Gemeinschaft und der Zusammenhalt in der Familie ist sowieso unsere große Stärke.“

Und irgendwie lieben wir uns ja doch alle hier, sonst würden wir bei Problemen einfach aufgeben. Aber daran kann man wachsen, und da ziehen wir dann alle an einem Strang und sagen „Komm, wir kriegen das jetzt gemeinsam hin, und gut.“ Im Alltag hat hier jeder sein Ämtchen und arbeitet und hilft mit. Hauptsache: gemeinsam! Manchmal sind es nur Kleinigkeiten, aber man macht halt mit. Wir sind wirklich sehr zusammengewachsen, auch in unserem familiären Umfeld. Und was das Familienleben sonst angeht: Campingtrips, Urlaube und Ausflüge, das machen wir immer noch – nur anders! Es braucht halt mehr Organisation, aber das sind dann wirkliche Highlights für alle hier.

Natürlich gibt es bei allem mal gute und mal schlechte Tage. Aber im Großen und Ganzen ist es so, wie ich es mir damals vorgestellt habe. Und wenn man die Entwicklung der Kinder sieht, das gibt einem dann ganz, ganz viel zurück.