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Wie sich mein Leben veränderte

Eine Betreute berichtet aus einer Projektstelle in Spanien

SpanienIch war 14 Jahre alt und lebte in einer Wohngruppe. Ich lebte da schon seit fast einem Jahr und eigentlich hat es mir dort sehr gut gefallen. Ich war eines dieser typischen-WG-Kinder, ich bin nachts abgehauen, bin nicht in die Schule gegangen, hab´ mich an keine Regeln gehalten, hab´ geraucht, getrunken und Drogen genommen. Jeder Tag war ein Abenteuer, denn man wusste nie, wo man am Ende des Tages sein würde... Es war immer die selbe Frage, wenn ich morgens aus dem Haus ging .... Wo soll ich jetzt hin? Und was soll ich jetzt tun? In die Schule? Auf keinen Fall! Dort werde ich doch eh wieder nur ausgelacht und da lern ich eh nichts Sinnvolles. Dann geh ich wohl in die Innenstadt. Aber, was dann? Ich kann ja gucken, wen ich alles so treffe, und zur Not gehe ich in die Bücherei. So ging es jeden Tag!

So hat mir mein Leben eigentlich ziemlich Spaß gemacht, aber mir war klar, dass es nicht richtig so war. Ich muss was ändern, sonst bekomme ich nie meinen Abschluss. So bekomme ich nie einen vernünftigen Job. Ich werde sonst irgendsoein drogenabhängiger Hartz lV-Empfänger werden. Ich musste was ändern – aber alleine konnte ich das nicht! Meine zuständige Jugendsamtsmitarbeiterin war auch der Meinung, dass es so nicht weiterging. Ich sollte da weg, weg aus R., weg vom Alkohol und den Drogen, weg von meinen falschen Freunden! Im Dezember 2015 sprachen wir dann mit meinem Jugendamt ab, dass – falls ich in den nächsten 2 Monaten noch einmal abhauen oder mich besaufen sollte – ich dann woanders hinkommen werde. Ich wollte nicht aus der WG wegziehen!! Ich fand es dort so toll. Also hielt ich mich auch an die Abmachung. Ich trank nichts, nahm keine Drogen und bin nicht angehauen. Aber bei meinem Gespräch, was dann nach diesen 2 Monaten war, berichtete man mir, dass ich trotzdem gehen muss! Die Wohngruppe wollte mich trotzdem rausschmeißen… Ich fand das echt scheiße, aber was sollte ich tun? Es war schon zu spät.

Ungefähr 2 Wochen später kam ein Herr Karafiol zu mir in die Wohngruppe. Er erzählte mir etwas von einem Auslandsprojekt. lch hörte Ihm aufmerksam zu, denn ich wusste, dass ich in eins kommen würde. lch fand es ziemlich interessant, was er erzählte, denn vorher habe ich nie von so etwas wie einem „Auslandsprojekt" gehört. Ehrlich gesagt, fand ich es ziemlich cool, in ein Auslandsprojekt zu kommen, weil ich keinen einzigen Menschen kannte, der in eins kam und ich es ein bisschen wie ein Abenteuer fand, in eins zu kommen. Wir wussten damals noch nicht, in welches Land ich kommen sollte. Ich wollte unbedingt nach Russland, aber da meine Muttersprache Russisch ist, durfte ich nicht. Herr Karafiol meinte, dass es nicht viele Länder gebe, in die ich kommen könnte, weil z.B. polnisch sich dem Russischem sehr ähnelt und dass in Lettland, etc. viele Russen leben oder dass dort russisch gesprochen wird. Als er ging, gab er mir seine Karte und sagte, dass ich mich bei ihm melden könnte, falls ich noch Fragen hätte. Obwohl ich mich ehrlich gesagt auf das Projekt freute, schmiss ich die Karte noch am selben Tag in den MüII. Es wurde abgesprochen, dass ich kurzzeitig in eine Psychiatrie kommen sollte, um ein paar Tests zu machen und um zu gucken, ob ich „psychisch labil" wäre.

Herr T. (mein damaliger WG-Betreuer) und ich fuhren dann kurze Zeit später zu einer Psychiatrie in Datteln, um uns die anzugucken. Vorort trafen wir uns dann mit Herrn Karafiol. Wir hatten da ein Gespräch mit 2 Frauen, ich kann micht nicht mehr erinnern, wer diese 2 Frauen waren, aber ich glaube, dass die eine Psychologin war und die andere die Chefärztin der Klinik. Im Gespräch wurde abgesprochen, dass ich in ca. 2 Wochen schon dahin könnte.

Ich sollte für ca. 2–3 Wochen dahin, um diese Tests zu machen. Ich sollte vorerst in die geschlossene Station kommen, weil ich ja so oft abgehauen bin in der Wohngruppe. In der letzten Woche in der WG bin ich 3–4 mal abgehauen, weil ich ja eh wusste, dass ich in einer Woche hier weg bin und dass die mich dann ja eh nicht bestrafen werden dafür. In der Wohngruppe haben wir eigentlich nie Ärger bekommen – für nichts. Ich war da sogar schon mal eine Woche lang weg, und ich bekam keinen Ärger. Also wollte ich die letzte Zeit noch genießen und tun, worauf ich Bock habe. Ich blieb auch die letzte Nacht weg, aber da ich ja ins Projekt gehen wollte, wusste ich, dass ich dann auch in die Psychiatrie musste. Also blieb ich die Nacht weg aber kam am nächsten Tag pünktlich um 7:30 Uhr in der Wohngruppe an. Ich packte meine Sachen zusammen und brachte sie ins Auto. Ich verabschiedete mich nur von N. Von den anderen verabschiedete ich mich nicht. Ich hielt es nicht für nötig. Um Punkt 8 Uhr fuhr ich mit Herr T. los. Wir kamen da um ca. 9:30 Uhr an. Ich verabschiedete mich von ihm, und ab da fing mein kleines Abenteuer an.

Ich wurde dort erst einmal gefilzt und meiner Zimmergenossin vorgestellt. Ich fand sie ziemlich cool , weil sie Zigaretten, eine schöne Figur und schöne Markenklamotten hatte. Als meine ganzen Sachen gefilzt wurden, bekam ich sie zurück. Meine Zimmergenossin blieb dort nur noch 2–3 Tage und dann wurde sie schon wieder entlassen. Sie kam nämlich gerade von einem Auslandsprojekt aus Ungarn wieder. Bevor sie ging, hat sie mir noch Klamotten geklaut. Das fand ich echt scheiße, weil ich dachte, dass ich ihr vertrauen kann. Sie war nämlich ziemlich nett zu mir. Da ich ziemlich lange, genau genommen 6 Wochen dort blieb, lernte ich ziemlich viele verschiedene Leute kennen. Mit wenigen davon freundete ich mich ein bisschen an. Mit den meisten hatte ich kaum Kontakt. Eigentlich war es ja so abgesprochen, dass ich nur 2–3 Wochen bleiben sollte, aber das verlängerte sich. Und eigentlich sollte ich nach ca. 1 Woche in die offene Station kommen, aber das geschah nie. Es war meine Schuld dass ich da nie hin kam, aber eigentlich wollte ich da auch nicht hin, weil dort so viele Aktivitäten gemacht wurden und ich es bevorzugte, in meinem Zimmer zu sitzen und mit anderen zu reden oder zu schlafen. Während meines Psychiatrieaufenthalts kam Herr Karafiol ein oder zweimal vorbei und sagte mir, dass ich nach Spanien kommen würde. Am 30. März war es soweit. Ich sollte los fliegen. Kurz vorher kam noch meine neue Jugendsamtmitarbeiterin, um ein kurzes Gespräch zu führen. Da Herr Karafiol leider krank war, kam Herr Bading, um mit mir nach Spanien zu fliegen. Ich kannte Herrn Bading schon, weil er schon zwei- oder dreimal in die Psychiatrie kam, um etwas mit mir zu erledigen, denn ich hatte noch keinen Personalausweis. Also gingen wir bei seinem ersten Besuch Fotos machen, und beim zweiten Besuch fuhren wir nach W., um den Ausweis mit meiner Mutter zu machen.

Am 30. März, meinem letzten Tag in Deutschland, gingen wir noch vor dem Flug nach McDonalds, um etwas zu essen, und danach fuhren wir auch schon zum Flughafen. Ich fand es ziemlich spannend, da ich lange nicht mehr geflogen bin. Der Flug ging nach Barcelona. Den ganzen Flug über habe ich Musik gehört. Ich habe mich schon mega auf Spanien gefreut. Ich wollte unbedingt Spanisch sprechen lernen.

Dort angekommen holte uns eine kleine Frau ab. Sie hieß Susan. Ich fand sie komisch, da sie meinte, ich solle nicht die ganze Zeit auf mein Handy gucken, da ich in Barcelona bin und mir ja die Gegend ein bisschen angucken kann, weil die ja so schön sei. Trotz allem guckte ich weiter auf mein Handy. Wir haben Herrn Bading in einem Hotel abgesetzt und sind dann zu Susan nach Hause gefahren. Vor dem Schlafengehen sagt sie mir, dass ich morgen mein Handy abgeben muss, weil wir es hier nicht haben dürfen. Ich fand das echt scheiße, ich glaube, jeder würde das scheiße finden. Ich hörte noch ein bisschen Musik und ging dann direkt schlafen.

Am nächsten Tag holte mich eine Betreuerin ab, bei der ich ca. 2 Wochen bleiben sollte, weil mein eigentlicher Betreuer noch woanders am arbeiten war und noch keine Zeit hatte. Die Betreuerin, bei der ich 2 Wochen lang war, hieß Olga. Sie war schon etwas älter aber war für ihr Alter noch ziemlich fit. Sie war sehr nett zu mir, obwohl sie mir manchmal etwas streng vorkam. Ich konnte mich leider nicht mit ihr verständigen, da sie kein Englisch oder Deutsch sprach. Sie sprach nur Spanisch, Katalanisch und Französisch. Olga lebte in einem kleinen Haus weiter abwärts des Dorfes. Sie hatte 3 Hunde, 1 Katze, Hühner und ca.7 Pferde. Zu dem Zeitpunkt interessierte ich mich kaum für Tiere. Ich fand eigentlich nur Hunde toll. Olgas Freund/Mann kam so gut wie jeden Tag zu uns, und mit dem unterhielt ich mich dann ab und zu, weil er Englisch konnte, konnten wir uns einigermaßen gut verständigen. Ein paar mal kam mein eigentlicher Betreuer zu Olga um mich abzuholen. Ich schlief dann bei ihm, und wir unternahmen Sachen zusammen. Einen Tag gingen wir auch in einem Restaurant essen. Ich fand ihn ziemlich nett. Seine Frau fand ich auch ziemlich nett, aber Olga mochte ich noch mehr.

Am 15. April sollte ich dann zu meinem neuen Betreuer ziehen. Er heisst Paul und seine Frau heisst Anna. Ich wollte da nicht hin. Ich wollte bei Olga bleiben. Ich fand es doch so schön bei Olga, aber ich durfte da nicht bleiben. Dadurch, dass ich so gerne bei Olga bleiben wollte und nicht zu Paul und Anna wollte, entwickelte ich Hass gegen die beiden. Ich habe angefangen, sie zu ignorieren. Einerseits, weil ich nicht da sein wollte und andererseits, weil ich kaum Englisch sprach und die kein Deutsch sprachen. Ich fing an, mich dort echt unwohl zu fühlen. Ich hatte jede Woche ein Gespräch mit Susan, wo ich mit ihr über all sowas reden konnte, aber ihr war das egal. Sie meinte, ich würde schon zurechtkommen. Da ich mich da so unwohl fühlte und nirgendwo hin konnte, fühlte ich mich total wohl in der Schule, zu der ich ging. Das war keine normale spanische Schule. Das war eine Fernschule aus Deutschland. Ich war auf der Sonneck-Schule. Und jede Woche Montag und Donnerstag fuhr ich in eine 1 Stunde entfernt gelegene Stadt, um dort mit anderen Kindern, die auch im Projekt sind, und den Lernbegleitern, die wir dort hatten, zu lernen. Da ich in Deutschland in der WG die Schule geschwänzt habe und dadurch sitzen geblieben bin, war ich erst in der 8. Klasse. Bei meinen Betreuern zu Hause langweilte ich mich immer. Weil ich nichts mit denen unternehmen wollte und ich nicht wusste, was ich sonst machen soll, machte ich Schulaufgaben. Jeden Tag lernte ich für die Schule. Durch das ganze Lernen wurde ich ziemlich gut in der Schule und bekam echt gute Noten.

Da ich so gute Noten hatte, durfte ich eine Klasse überspringen. Also, anstatt im Sommer in die 9. Klasse zu kommen, kam ich direkt in die 10. Klasse.

Nach einiger Zeit konnte ich schon spanisch sprechen und dadurch fing ich an, mich viel besser mit meinem Betreuer und seiner Frau zu verstehen. Die Frau meines Betreuers erfuhr ein paar Wochen, nachdem ich dort anfing zu wohnen, dass sie schwanger war. Ich glaube, es war Ende Sommer als ich schon einigermaßen gut spanisch sprechen konnte und mich dann auch super gut mit meinem Betreuer und seiner Frau verstanden habe. Ab da fing ich an, es toll dort zu finden. Ich vermisste Olga nicht mehr. Lua, die Tochter meines Betreuers wurde Mitte Oktober geboren. Ich fand es toll, weil ich so länger alleine mit meinem Betreuer war, weil seine Frau sich ja mehr mit dem Kind beschäftigt hat und ich mich mit meinem Betreuer besser verstehe als mit seiner Frau. Das ist bis heute so.

Ich glaube, es war kurz bevor ich in die 10. Klasse kam. Da kam J. ins Projekt. Erst beachtete ich sie kaum, weil sie mit einem anderen Mädchen aus dem Projekt befreundet war, das ich nicht leiden konnte. Aber nach einiger Zeit freundeten wir uns an. Wir waren echt gut befreundet, und in der Schule haben wir auch immer unsere Aufgaben zusammen gemacht, weil wir beide in der gleichen Klasse waren und somit auch die gleichen Schulsachen bekamen. Da man in der 9. Klasse ja eigentlich immer ein Praktikum macht und ich die 9. Klasse übersprungen habe, machte ich es in der 10. Klasse. Da ich mich, seit ich in Spanien bin viel für Tiere, besonders Hunde interessiere, habe ich mich für ein Praktikum beim Tierarzt entschieden. Eine Freundin der Frau meines Betreuers empfahl uns einen Tierarzt aus Caldes de Malavella. Ich machte mein Praktikum dort. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Mein Praktikum ging ein Jahr lang.

Anfang Januar des Jahres 2017 ist mir ein Hund bei uns in der Straße aufgefallen. Er lief dort alleine herum und war ziemlich dünn, aber ich konnte leider nicht gucken, ob er mit seinem Herrchen dort ist, weil wir mit dem Auto an ihm vorbeigefahren sind und ich nicht aussteigen durfte, da ich sonst zu spät zu meinem Reitunterricht kommen würde. Aber 2–3 Tage später sah ich diesen Hund wieder. Er war in unserem Garten. lch lief in den Garten, um ihn mir anzugucken, aber er hatte Angst vor mir. Er hatte Angst vor jedem. Da er ziemlich dünn war, gaben wir ihm etwas zu essen. Erst gaben wir ihm Sachen, die wir bei uns im Kühlschrank fanden, und nachmittags ging ich dann in den Supermarkt und kaufte einen Sack Hundefutter für ihn. Am nächsten Tag besprachen wir beim Mittagessen, was wir jetzt mit dem Hund machen sollen. Die Frau meines Betreuers hatte den Vorschlag, dass wir beim Tierheim anrufen und die ihn abholen kommen sollen. Aber ich war dagegen. Ich wollte ihn behalten. Ich fing an, ihm Hundefutter zu kaufen, und ich kaufte ihm ein rotes Halsband. Ich wusste erst nicht, wie ich ihn nennen sollte und am Ende entschied ich mich für den Namen „Micki". Ich rief Susan an um sie zu fragen, ob ich ihn denn behalten darf, da mir später erst eingefallen ist, dass ich ihn ja vielleicht gar nicht behalten darf. Susan erlaubte es mir aber. Sie sagte, dass ich Herrn Karafiol auch um Erlaubnis bitten muss. Also fragte ich ihn auch. Er war ziemlich desinteressiert daran, aber er erlaubte es. Somit hatte ich meinen ersten Hund.

Zu der Zeit hatte ich noch ziemlich viel Kontakt mit meiner Mutter. Wir haben uns immer Briefe geschrieben, da ich mein Handy noch nicht hatte. Im Mai sprach ich Herrn Karafiol auf mein Handy an. Ich wollte es wiederhaben! Er war damit einverstanden, aber er wollte, dass ich zuerst meinen 10B-Abschluss mache. Da ich ihn ca. im Mai gefragt habe, blieben mir noch 2 Monate. J. und ich haben ziemlich viel gelernt, da sie ja auch mit mir ihren Abschluss machen würde und sie mit Herrn Karafiol die gleiche Abmachung hat, wie mit mir. Wenn sie ihren 10B-Abschluss hat, bekommt sie ihr Handy. J. und ich haben uns total darauf gefreut. In diesen 2 Monaten, die mir noch fehlten, bevor wir die Prüfung schreiben, habe ich viel über meine Vergangenheit und auch über meine Zukunft nachgedacht, denn falls ich mein Handy bekommen sollte, könnte ich ja wieder Kontakt zu meinen alten Freunden haben. Aber ich entschied mich, nicht so viel darüber nachzudenken, da ich mein Handy ja vielleicht gar nicht bekommen würde.

Im Juni war es soweit. Ich habe alle Prüfungen geschrieben, und ich würde jetzt mit Susan, meinem Fernlehrer Herrn G., Herrn Karafiol und den anderen Kindern, die ihre Abschlussprüfung geschrieben hatten – J. war auch darunter – in ein Restaurant gehen, und nach dem Essen würde unser Fernlehrer uns dann sagen, ob wir bestanden haben oder nicht. Wir waren leider in dem schlimmsten Restaurant, dass ich kannte, aber da ich eh nur an mein Handy dachte, war mir das egal. Ich war so froh, als man mir sagte, dass ich bestanden habe. Das hieß, dass ich bestanden habe: Hurra! J. und ich haben uns ziemlich gefreut, denn sie hatte ebenfalls bestanden.

Aber, da die Erwachsenen immer so sind, haben die uns natürlich jetzt die Regeln erklärt. Die Regeln für´s Handy fand ich gar nicht toll, denn ich durfte das nur eine Stunde am Tag haben. Echt mies! Aber ich hatte mein Handy, und das war das einzige, was im Moment für mich zählte. Doch echt lange hatte ich das Handy nicht, denn ich hatte einen Streit mit meiner Mutter per Whatsapp, und deswegen wurde mir mein Handy wieder weggenommen. Was ich echt scheiße fand, da meine Mutter ja nichts mit meinem Handy zu tun hat, auch wenn der Streit per Whatsapp war. Ich bekam es aber eine Woche später wieder, da ich mit einem Gespräch in Deutschland mit meiner Mutter einverstanden war. Es sollte eine Frau dabei sein, die Russisch kann, um das Gespräch zu verfolgen. Nach dem Streit wollten meine Mutter und ich den Kontakt abbrechen. Sie wollte, dass ich mich zwischen ihr und meiner Cousine entscheiden sollte. Natürlich entschied ich mich für meine Cousine, denn meine Cousine war es, die mich aufgemuntert hat, wenn ich traurig war, sie war es, die sich immer Sorgen um mich gemacht hat und mir helfen wollte. Die Entscheidung fiel mir also sehr leicht. Das Gespräch sollte mit meinem Hilfeplangespräch verbunden werden. Also flog ich nach Deutschland. Es war das erste mal, dass ich alleine flog.

Wir führten mein HPG ohne meine Mutter, und dann am nächsten Tag sollte meine Mutter kommen, um das Gespräch mit mir zu führen. Frau E. sollte bei meinem Gespräch dabei sein. Sie kam eine Stunde früher, um noch einmal alleine mit mir zu reden. Um halb 12 kam Herr Karafiol, um nachzusehen, ob meine Mutter bei uns ist. Aber sie war nicht bei uns. Meine Mutter kam nämlich nicht! Es gab also kein Gespräch. Seit dem Tag fühlte ich mich viel besser. Schon als wir vor Monaten den Kontakt abgebrochen haben, fühlte ich mich gut. Aber an dem Tag fühlte ich mich sogar noch viel besser. Das heißt, dass ich sie vielleicht nie wieder sehen muss.

Jetzt haben wir es einige Monate später, und ich mache gerade mein Abitur per lls. Die Schule ist ziemlich scheiße, aber daran kann ich leider nichts ändern. lch habe mich mittlerweile ziemlich gut hier in S. eingelebt und habe auch einige Freunde. Spanisch habe ich auch gelernt, und Alkohol, Drogen und Tabak sind auch Geschichte. lch fühle mich ziemlich wohl hier, obwohlich die Projektregeln ziemlich scheiße sind, aber schließlich sind alle Regeln scheiße. Bald habe ich ein Hilfeplangespräch, und dann kann ich Ende dieses Jahres vielleicht auch schon nach Deutschland. Aber – ehrlich gesagt – bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich schon dieses Jahr gehen möchte. lch bin jetzt schon 2 Jahre hier, aber es gefällt mir sehr hier. Wenn man sich an die Regeln hält und Freunde hier hat, macht es ziemlich Spaß, auch wenn es ziemlich schwer sein kann, in einem Projekt zu leben.