Kopf

Gut aufgehoben in unseren Projektstellen

Bei der Gemeinschaft Tempelhof kümmert sich ein ganzes Dorf um die Jugendlichen

Wellenbrecher bietet seit Jahren mit Erfolg individualpädagogische Hilfen an, die es Kindern und Jugendlichen ermöglichen, wieder positiv besetzte Perspektiven für die künftige Lebensgestaltung zu finden. Dazu sind wir auch auf die Kooperation mit geeigneten Projektstellen angewiesen, in denen junge Menschen betreut werden. Bei der Auswahl achten wir sehr darauf, dass unsere hohen Qualitätsstandards eingehalten werden. Denn bei diesen stationären Einzelbetreuungen von Kindern und Jugendlichen mit einer schwierigen Vergangenheit bedarf es neben Einfühlungsvermögen auch einer ausgeprägten pädagogischen Fachkompetenz und Erfahrung. Neben der hohen Verantwortung, die wir und unsere Fachpartner übernehmen, stellt die Tatsache, dass die Projektstellen-MitarbeiterInnen an 7 Tagen in der Woche jeweils 24 Stunden für die jungen Menschen da sein sollen, eine große Herausforderung dar.

Eine dieser hochqualifizierten Projektstellen ist die Gemeinschaft Tempelhof. Wir wollen Sie Ihnen hier einmal näher vorstellen. Dort werden vor allem Wellenbrecher-Jugendliche betreut, die nach ihrer Rückkehr aus dem Ausland wieder in das Leben in einer Gemeinschaft integriert und an eine selbständige und verantwortliche Lebensweise herangeführt werden sollen. Wir sind sehr froh darüber, die pädagogisch bestens qualifizierten Mitbewohner des Tempelhofes für unsere Betreuungen gewonnen zu haben. Denn hier wird neben der ausgewiesenen fachlichen Kompetenz eine Utopie gelebt, von der sicherlich viele von uns schon einmal geträumt haben, aber nur wenige die Gelegenheit hatten, sie zu realisieren.

Was ist Tempelhof?

Das Dorf Tempelhof befindet sich inmitten einer wunderschönen ländlich hügeligen Landschaft in der Nähe von Schwäbisch Hall in Baden Württemberg an der Grenze zu Bayern. Nach dreijähriger Vorarbeit wurde es 2010 von einer engagierten Gruppe von Menschen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und Glaubensrichtungen gekauft, um dort ihre Vision vom gemeinsamen Leben und einer ökologischen, sozial gerechten und sinnerfüllten Daseinsform zu realisieren. Kombi

Alle Fotos auf dieser Seite: Archiv Stiftung Tempelhof

Das Dorf besteht aus ca. 4 Hektar Bauland und etwa 26 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche rund um das Schloss Tempelhof. Damit bietet es genügend Raum für gemeinschaftliches Wohnen für inzwischen ca. 100 Erwachsene und mehr als 40 Kinder. Darüber hinaus bieten sich vielfältige Möglichkeiten auch für gewerbliche Betriebe und kreative Projekte, die ebenfalls der Vision von einem zukunftsfähigen Lebensentwurf entsprechen.

Auf dem Areal gibt es mehrere Großküchen, Werkstätten und große Gewerbeflächen, eine Mehrzweckhalle mit Bühne, Wohngebäude und ganz viel Natur. Die Bewirtschaftung des Landes dient der Selbstversorgung der Gemeinschaft mit biologischen Lebensmitteln sowie der Wiederherstellung und Erhaltung natürlicher Kreisläufe.

Inzwischen gehören zum Dorf

• die Landwirtschaft mit Gärtnerei, Acker- und Obstbau, Kräuter und Heilpflanzen, Permakultur sowie Imkerei

• ein Hühner- und Ziegenstall, eine Käserei sowie einen Veredelungsbetrieb für landwirtschaftliche Produkte

• eine Großküche, eine Bäckerei

• ein Seminarbetrieb mit Verwaltung

• ein Gästehaus inkl. Hauswirtschaft und Catering

• den Dorfladen

• eine Holz- und Metallverarbeitung

• eine Schneiderei

• eine Graphik-Design-Werkstatt

• ein Beratungsbüro für Organisationsentwicklung und Bürgerbeteiligung

• eine Bauhütte (Renovierungsarbeiten, Altbau, Strohballen-, Niedrigenergiehäuser, Verwendung regenerativer Energiequellen etc.)

• eine Manufaktur für mobile Bauten, Wabenhäuser und Bauwägen

• eine Reparaturwerkstatt für Fahrräder

• eine Kreativwerkstatt mit Bildhauerei, Malerei und Musik

• unsere Dorfselbstorganisation, und -verwaltung

• eine staatlich anerkannte Freie Schule mit inzwischen über 40 Kindern, zum Teil auch aus der Region.

Was es dagegen nicht gibt, ist Privatbesitz an Grund und Boden. Das Dorf ist in der Hand einer eigens gegründeten Stiftung sowie einer Genossenschaft, die die Verwaltung über einen auf 99 Jahre geschlossenen Erbpachtvertrag gemeinschaftlich organisiert. So wird jede zukünftige Bodenspekulation im Vorfeld schon verhindert und eine passende ökonomische Basis gewährleistet.

Die Gemeinschaft versteht sich als Zukunftswerkstatt mit einem hohen Anspruch an ganz bestimmte Wertvorstellungen, die geprägt sind von einer wertschätzenden Beziehungs- und Kommunikationskultur, Verantwortung in der und für die Gemeinschaft, einer weitgehend auf Konsens ausgerichteten Entscheidungsstruktur, einer Vielfalt ohne Dogmen und einer möglichst nachhaltigen Lebensweise. Mit diesem Anspruch kommt sie unseren Erziehungszielen sehr entgegen. Gerade die von allen geforderte und praktizierte respekt- und verantwortungsvolle, wertschätzende Umgangsweise bietet eine wirksame Sozialisationsumgebung für unsere Jugendlichen. Hier wird positiv realisiert, was gemeint ist, wenn es in dem vielzitierten afrikanischen Sprichwort heißt: „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein einzelnes Kind zu erziehen“.

Vor allem für diejenigen jungen Menschen, die in Auslandsprojekten neue Verhaltensmuster kennengelernt und eingeübt haben, kommt es besonders darauf an, nach der Rückkehr nicht in alte problematische Verhaltensschemata zurückzufallen, sondern das neu Erlernte immer mehr auch hier in ihren deutschen Alltag zu integrieren. Nur dann erweist sich unser Engagement als nachhaltig und langfristig positiv für das Leben der Betreuten.

Weitere Infos: www.schloss-tempelhof.de