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Kooperationsvertrag mit Universität Nowgorod unterzeichnet

Neue vertragliche Zusammenarbeit zwischen Wellenbrecher und ausländischer Universität

Gruppe 

Am 26.06.2017 fand eine festliche Veranstaltung anlässlich der Unterzeichnung eines Vertrags über die Zusammenarbeit zwischen der Staatlichen Universität Nowgorod und Wellenbrecher e.V. statt. Wir sind sehr erfreut über das Zustandekommen dieses Vertrages und fühlen uns geehrt, die Universität als einen weiteren renommierten Kooperationspartner gewonnen zu haben. Die nun vertraglich vereinbarte Zusammenarbeit ist konkret auf die wissenschaftlich-praktische Unterstützung von Sozialpädagogen aus Welikij Nowgorod ausgerichtet, die in die individualpädagogische Betreuung von deutschen Jugendlichen aus Risikogruppen eingebunden sind, die vorübergehend in russischen Projektstellen leben.

Ganz nach Art der regionalen Tradition wurden die deutschen Gäste mit Brot und Salz empfangen. Die Vokalgruppe „Jaroslavna“ gab den festlich-musikalischen Rahmen. Begrüßungsreden hielten der Rektor der staatlichen Universität Nowgorod, Viktor Weber, der Prorektor für internationale Zusammenarbeit, Michael Pewsner, und Anja Kolburg, Assistenz der Geschäftsführung von Wellenbrecher e.V.

Michael Karkuth, Bereichsleiter für erzieherische Hilfen im Ausland bei Wellenbrecher, berichtete in einem Vortrag über die vielfältigen praktische Erfahrungen im Bereich der sozialpädagogischen Unterstützung und Betreuung deutscher Jugendlicher in Russland, Polen, Lettland, Ungarn, Rumänien und Spanien. Gleichzeitig betonte er aber auch die Notwendigkeit und hohe Bedeutung von pädagogischen, psychologischen und sozialtherapeutischen Innovationen. Zurzeit wird eine neue Etappe in der Zusammenarbeit realisiert, die auf die Umsetzung des deutsch-russischen Projekts “Jugendhilfe im Ausland auf Grundlage der Kulturschocktheorie“ abzielt. Der bei der Konfrontation mit einer neuen, unbekannten Lebenswelt erlebte Kulturschock der Jugendlichen wird als Mittel und Methode der Individualpädagogik angesehen. Unsere Projekte in Russland basieren auf der Theorie, dass jeder Mensch eigene Reserven/Ressourcen hat, die ein verborgenes Potenzial zur Überwindung sozial problematischer Situationen darstellen. Die abrupte Änderung der Lebenssituation soll die Bedingungen schaffen, diese Reserven zu aktivieren. Die „Kulturschocktechnik“ ist somit der durch den Sozialpädagogen realisierte Prozess, kulturelle Möglichkeiten zu aktivieren, die Jugendlichen ihre Umwelt und sich selbst darin tiefer wahrnehmen lassen, sodass die Chance erkannt werden kann, sich selbst zu überwinden und auf neue Beziehungen einzulassen.

Der Projektleiter von Wellenbrecher in Russland, Wladimir Süss, sprach zum Thema “Dialog der Kulturen: Deutsch-russische Kooperation im Bereich der sozialpädagogischen Arbeit“. Nicht umsonst wurde Russland zum Gastgeberland gewählt. Als Vorteile der individualpädagogischen Angebote in ländlichen Regionen Russlands gelten:

• Eine spontane Aufgabe der Projektteilnahme ist nicht möglich. Ohne Kenntnisse der Sprache und Gepflogenheiten des Landes ist es schwierig, zurück in die „westliche Zivilisation“ zu gelangen.

• Gastfreundschaft und intensive soziale Kontakte verhelfen auch Jugendlichen mit schweren Problemen dazu, wieder Vertrauen in die Menschen, speziell in Erwachsene zu entwickeln und festigen das Gefühl der eigenen Würde.

• Die über Generationen entwickelte Tradition und Ordnung der Betreuer/betreuenden Familien vermag den Jugendlichen, den fehlenden Halt zu geben.

• Es gibt kaum ein kriminelles Umfeld. Die Integration in das lokale jugendliche Milieu erfordert das Ablegen früherer Verhaltensstereotypen und Denkweisen.

• Durch ein In-Gang-Setzen des Überdenkens der eigenen Lebenssituationen beim Jugendlichen bekommt der Erzieher eine Zugangsmöglichkeit und kann Hilfe und Unterstützung bei der Suche nach neuen Wegen bieten.

Die Zielgruppe sind Kinder und Jugendliche aus problematischen Lebenssituationen, die eine negative Entwicklung durchlaufen haben und bei denen die im Inland durch das SGB VIII vorgesehenen Hilfen nicht fruchten, sodass man zu unkonventionellen pädagogischen Mitteln greifen muss. Außer den betroffenen Jugendlichen sind Projektbeteiligte: Jugendamt, Wellenbrecher e.V., russische Sozialpädagogen und Dozenten, deutsche und russische Psychiater sowie Eltern und Erziehungsberechtigte.

Als krönender Abschluss fand die Unterzeichnungszeremonie des Vertrags über die Zusammenarbeit statt, der seitens der Staatlichen Universität Nowgorod von ihrem Rektor, Viktor Weber, und seitens Wellenbrecher e.V. von Michael Karkuth unterzeichnet wurde.

Mehr Informationen über unsere erzieherischen Hilfen im Ausland siehe hier.

Nach Unterzeichnung des Vertrages: Anja Kolburg, Wladimir Süss, Michael Pewsner, Viktor Weber und Michael Karkuth (v.li.n.re).